»SAMOWAR«

KUNST, TEE + SENSATIONEN

 

12.—16. NOVEMBER  2013 »MONITORING« ZU GAST

 

»CLIPON ARCHIVES«

RENAUD DUVAL

 

Beitrag zur Ausstellung Monitoring

(im Rahmen des 30. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes)

 

Die diesjährige Konzeption von Monitoring orientiert sich an Fragestellungen zu digitaler Überwachung, ergründet Möglichkeiten und Qualitäten von Privatsphäre, thematisiert politische und gesellschaftliche Ideologien der Vergangenheit und skizziert alternative Zukunftsperspektiven. Trotz der unterschiedlichen Behandlung dieser Themenkomplexe durch die einzelnen künstlerischen Beiträge, treten die Suche nach Wahrheit und die Frage nach dem Zugang zu Wissen und dessen Vermittlung zwischen den Generationen als roter Faden durch die Ausstellungsorte hervor.

Überwachung oder Freiheit, Retusche oder Widerstand, Unterwerfung oder die Suche nach Alternativen – welche Handlungsmöglichkeiten können abgerufen und welche Zukunftsperspektiven neu diskutiert werden? Das sind die zentralen Themen der Ausstellung, die aufzeigt, das Kunst das Potential hat, Alternativen neu zu denken.

 

Dank an:

Kulturamt der Stadt Kassel, Filmladen Kassel e.V., Galerie Coucou, Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest

 

Ausstellungsdauer

Mi. 13.11. bis So. 17.11.2013

 

Öffnungszeiten

Mi. 19:0023:00

Do.Sa. 17:00—22:00

So. 17:00—20:00

 

Weitere Informationen: www.kasselerdokfest.de

07.—21. SEPTEMBER 2013

»KEIN HERZ FÜR UNENDLICHKEIT«

OLIVER SCHARFBIER

 

KASSELER MUSEUMSNACHT IN DER GALERIE COUCOU

07. SEPTEMBER / 17:00—01:00 UHR

Die aktuellen Arbeiten des Künstlers Oliver Scharfbier kreisen medial weit gefächert um Visionen und Phantastisches. Doch Scharfbier verfällt nicht in romantischen Identitätsentwürfen, sondern unterwandert diese vielmehr provokativ: KEIN HERZ FÜR UNENDLICHKEIT.

 

Oliver Scharfbier wurde in Hamburg geboren und war in Bremen beheimatet, er studierte in Kassel Freie Kunst. Nach Aufenthalten in Belgrad und Berlin lebt er nun in Magdeburg, da er seit 2012 das Atelierstipendium der Landeshauptstadt Magdeburg innehat. Er ist Mitglied des Internationalen-Künstler-Gremiums IKG und durch die Galerie ZoneB in Berlin vertreten.

 

 

Tagebuchnotiz zu zwei Arbeiten für die Galerie Coucou, je o.T.

(Strom - Gegenstrom, oder Papageienflug):

 

"…Aber ich arbeite weiter an den Papageienflügen für die Galerie Coucou. Die Arbeiten sind genauso aufgebaut wie die Gleichnamige für Essen. Nur sind diese beiden größer und schwerer. Da der Titel der Ausstellung in der Coucou „Kein Herz für Unendlichkeit“ lautet, muss ich diese beiden Dinge an meiner Atelierwand auch einmal nach ihrer Beschaffenheit befragen.

Es fällt mir auf, dass die tragende Konstruktion sehr stabil ausfällt. Zwei große Schlossschrauben halten einen Holzbalken fest an der Wand, da wackelt nichts die nächsten 100 Jahre. Suggeriert also mal eben ein Stück Unendlichkeit. Konträr dazu die frei stehende Glasplatte, die wiederum ein Blatt Papier in der Schwebe hält. Dieses ist somit von den Seiten angreifbar und gar nicht für eine längere Präsentation ausgelegt. Das Papier wird schnell vergilben und einstauben so an der frischen Luft. Also doch ein sehr endliches Vergnügen. Und das trifft sich mit meiner Intention bei dieser Arbeit, da kommen Form und Inhalt überein. Ein Wechselspiel, zwei Seiten. Es soll ein Nichts sein, es soll nicht einmal sollen sondern können falls es möchte. Also vielleicht etwas Besonderes sein wenn es mag, wenn es den Betrachter mag, zu überzeugen vermag. Dann kann es für einen kurzen Moment gut sein, was bereits viel ist für etwas das nichts von mir wollte als ich es machte.“

 

Oliver Scharfbier / 31.07.2013

29. JUNI—12. Juli 2013

»6D-EXTREME SIMULATEUR«

STEFANIE POLEK

Sicherlich vermag sich jede/r als ein differenziertes Selbst zu betrachten. Erst aus einer gewissen Autonomie lässt sich ein spezifischer Blickwinkel einnehmen. Dennoch sind die Grenzen von Subjekt zu Subjekt zu Objekt stets fließend. So sind es stets selbst- und fremdgesetzte Rahmen der Individuen und die damit verbundenen Handlungsmöglichkeiten, die Stefanie Polek in ihrer Arbeit untersucht.

 

Text, Fotografie und Performance sind die Mittel, mit denen sie, einzeln für sich oder auch kombiniert in Form von raum- oder wandfüllenden Installationen, dieses Anliegen vorbringt.

Die Künstlerin betreibt eine stetige Auseinandersetzung mit als allgemein verbindlich akzeptierten, soziale Maßstäbe setzenden Bildern und Idealen, die für viele Menschen geradezu die Autorität von Gesetzen erlangt haben. Medial propagierte Ziele, als Beispiele seien das aktuelle Körperbild oder der anzustrebende, möglichst hohe soziale Status genannt, werden nicht mehr in Frage gestellt.

Stefanie Polek nimmt die notwendige Be- und Hinterfragung dieser um sich greifenden Passivität durch die Schaffung von Gegenbildern vor. Ihr mit Vehemenz vorgebrachtes „Nein, so nicht!“ signalisiert deutlich das Nichteinverständnis mit den  gesellschaftlichen Verhältnissen, mündet jedoch weder in einer bloßen Anklage noch in Verzweiflung. Aufgeben ist hier definitiv keine Option.

Die Arbeiten zeigen vielmehr eine sensible Anteilnahme, welche dann durch die Bearbeitung zum Werk und damit zum deutlichen Einspruch führt. Polek vereinigt so in ihrer Arbeit genaue Beobachtung und Analyse, den klaren, bisweilen notwendig harten Blick auf gesellschaftliche Situationen mit Momenten der Empathie, auch des Humors, der das Publikum jedoch nie schützend oder ironisch Distanz, gar Indifferenz erzeugend an die Hand nimmt.

 

Die Arbeiten, unabhängig vom gewählten Medium, müssen persönlich erschlossen werden. Die oft direkt auf die Wand applizierten Texte etwa machen körperliche Bewegung über eine gewohnte „Lesehaltung“ hinaus notwendig. Performance bedingt Anwesenheit und bewirkt eine direkte Reaktion jenseits der reinen Unterhaltung. Stefanie Polek bietet uns so eine dauernde und bereichernde Herausforderung und gibt durch die ihren Arbeiten inhärenten Fragen zugleich mögliche Antworten zu unserer Verfasstheit.

Gastkurator — Ingmar Mruk

31. MAI—15. JUNI 2013

 »VEXIERBILDER #04«

ELKE ZAUNER / INGMAR MRUK

Die Ausstellungsreihe »Vexierbilder« (lat. plagen, schütteln, ärgern) nähert sich dem Phänomen des Perspektivenwechsels an und greift in seiner Konzeption auf die Idee der Kippbilder zurück, die den Betrachter auffordern, aus verschiedenen Blickrichtungen das Versteckte in ihnen zu identifizieren. Die paradoxe wie spannungsvolle Eigenheit dieser Konstruktionen des »Entweder—Oder« liegt aber darin, dass sie im Kipp-effekt zeitgleich auch das »SowohlalsAuch« zeigt. Die zwei geladenen Künstler—Elke Zauner und Ingmar Mruk—stellen keine klassischen Vexierbilder aus. Vielmehr wird der kippende Wechsel der Wahrnehmung im Aufeinandertreffen der zunächst völlig klar voneinander abzeichnenden künstlerischen Positionen selbst provoziert.

 

Ingmar Mruks Arbeiten umfassen die Bereiche Plastik/Installation, Zeichnung und Malerei. Hinter allem steht sein Interesse an der physischen Erscheinung und der Atmosphäre von Räumen, Orten und Umgebungen, also an dem Phänomen Raum und an der einen vorhandenen Raum strukturierenden Architektur.

Im Zuge andauernder Recherche sammle Ingmar Mruk Material in Form von Fotos, Skizzen und Notizen, so entsteht nach und nach ein stetig wachsender Fundus von visueller und schriftlicher Information. Zentrale Bedeutung haben für ihn die gemachten, gebauten, angelegten Strukturen. Ihn interessieren die skulpturalen und zu Bildern führenden Aspekte, also Fläche, Linie, Volumen. Des Weiteren fließen immer auch soziologische und gesellschaftliche Aspekte in seine Recherchen zu neuen Arbeiten ein. „Zunächst habe ich mit ausschnitthaften Rekonstruktionen alltäglicher Orte und Szenerien  gearbeitet, zuletzt kam ich dann zu kleineren Objekten, die jeweils Details von Architektur aufnehmen und abbilden. Bei letzteren geht es um den Versuch der Überführung von teilweise erkennbaren Dingen in eine freie Form“, sagt der Kasseler Künstler.

Parallel dazu änderte sich auch die Herangehensweise an Bilder, genauer an Zeichnungen. Gegenständliches ist nicht mehr vorhanden, es gibt keine ‚sinnvollen‘ Räume oder Konstruktionen. Es handelt sich um ausformulierte Überlegungen zu Objekten, aus denen sich eigenständige Zeichnungen entwickelten. Die Trennung zwischen den Arbeitsweisen ist dabei praktisch aufgehoben, es ergeben sich produktive Wechsel-wirkungen im Entstehungsprozess von plastischen Objekten und Zeichnungen.

 

Die Malerin Elke Zauner ist eine innovative Bilderfinderin. Sie treibt mit den Gesetzen der Farbperspektive und den weitläufigen Assoziations-räumen, die sie eröffnen, ein ironisches Spiel. Die neuen Arbeiten der Malerin demonstrieren den entschiedenen Willen, die erarbeiteten Positionen der Malerei weiter zu entwickeln. Ihr ist es gelungen, den Kontrast zwischen der abstrakten Räumlichkeit der Farbperspektive und den durch sie ausgelösten gegenständlichen Assoziationen fruchtbar zu machen. Sie erliegt nicht der konstruktivistischen Versuchung, die Erinnerung an reale Räume zu unterdrücken, sondern sie erprobt experimentell die Verwandlung rationaler Farbkonstruktionen in vieldeutig emotionale Bildwelten. Die ursprüngliche Entdeckung, dass die in Anlehnung an die konkrete Kunst nebeneinander angeordneten Farbflächen undeutlich an gegenständliche Räume erinnerten, führte zu Verknüpfungen und Überlagerungen kontrastierender Bildräume und schließlich zu weiträumig korrespondierenden Raumfluchten. Ihre neuen Arbeiten widmen sich verstärkt der Konzentration der räumlichen Ereignisse. Extreme Querformate, die an sich zur Reihung der Motive tendieren, erweisen sich als komplexe Bildarchitektur, in der sich der geschlossene Bildraum formal wie emotional in die lichterfüllte Außenwelt öffnet. Da taucht ein altes romantisches Motiv wieder auf: der Blick auf und durch das Fenster. Allerdings lässt Elke Zauner das Geheimnis der außerhalb des Fensters verborgenen Außenwelt nicht auf. Sie will die gegenständliche Wirklichkeit neu erfinden: mit den Mitteln der Abstraktion.

01.—03. MÄRZ 2013

»RAUM KÖRPER«

WORKSHOP MIT PROF. VEIT STRATMANN

Eine Ausstellung in der Galerie Coucou mit Schülerinnen und Schüler der Geschwister—Scholl Schule Melsungen

 

Unterstützt durch die Deutsche Kinder und Jugendstiftung und die PWC-Stiftung realisieren Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Melsungen das Projekt »RAUM:KÖRPER« in den Ausstellungsräumen der Galerie Coucou.

Gibt es optische Täuschungen auch in der Architektur? Wann wird ein Körper zum Raum und ein Raum zum Körper? Kann das Drinnen zum Draußen, das Oben zum Unten werden? Dies sind nur einige Fragen, die die Oberstufenschülerinnen gemeinsam mit dem Künstler Veit Stratmann (Paris) mit künstlerisch forschenden Untersuchungsmethoden ausloten, um die Wirkungsweise von Architektur und Räumen zu untersuchen. Ergebnis dieses komplexen Arbeitsprozesses, der von Zeichnung, Modell, Abstraktion und Entwurf reicht, ist die Realisation von zwei raumgreifenden Entwürfen.

 

In die entstandenen Rauminstallationen wird zudem zur experimentellen Begegnung mit Musik eingeladen. Zur Vernissage am 01. Februar (19 Uhr) präsentieren musikalisch versierte Schülerinnen und Schüler Klang-, Ton- und Rhythmusexperimente, die sich auf die Installationen und deren Wirkung beziehen.

 

Sämtliche architektonischen Entwürfe für die Ausstellungsräume der Galerie Coucou und fotographische Impressionen vom Aufbau der Rauminstallationen sind am Donnerstag, den 31.01. 2013 im Rahmen der Veranstaltung „Tag der offenen Tür“ in der Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen ausgestellt.

»SAMOWAR«

KUNST, TEE + SENSATIONEN

 

Zum Abschluss des ereignisreichen Jahres möchten wir Sie zur Wiederauflage der Ausstellung „SAMOWAR—KUNST, TEE + SENSATIONEN einladen. 13 Künstlerinnen und Künstler präsentieren neue und neuste Exponate, die eine große Spannbreite hinsichtlich ihrer thematischen und formalen Vielfalt zeigen. Wer darüber hinaus Überraschungen mag, sollte sich auf die Arbeit Adventspost der Künstlerin Tomoko Goto freuen. Wie bei einem Adventskalender, bei dem man Tag für Tag eines der 24 Türchen öffnen kann, um sich die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, wird die in Hamburg lebende Tomoko Goto jeden Tag eine postkartengroße Zeichnung anfertigen und an den Adressaten verschicken, der in der Galerie Coucou das aktuelle Türchen geöffnet hat.

 

Während Sie sich in der Ausstellung Kunstwerke anschauen und mit Künstler plaudern, können Sie eine Tasse heißen Tee aus unserem original-russischen Samowar genießen, die zahlreichen Bücher und Kataloge durchblättern, es sich bei uns gemütlich machen.

 

Die Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 30. November um 19 Uhr, wird von Studierenden des Seminars „Sprechen und Schreiben über Kunst“ gestaltet (Fachbereich Germanistik Universität Kassel, Seminarleitung: Dr. Christian Saehrendt).

 

Wir freuen uns, das gute alte Jahr 2012 mit Ihnen zu verabschieden und hoffen, wir sehen Sie dann 2013 wieder - in Coucou!

 

Ausstellungseröffnung

30. November 2012, 19.00 Uhr

Studierende des Seminars „Sprechen und Schreiben über Kunst“ (Fachbereich Germanistik Universität Kassel, Seminarleitung: Dr. Christian Saehrendt) gestalten die Eröffnung.

 

14.—18. NOVEMBER  2012 »MONITORING« ZU GAST

Mit: Tilmann Aechtner, Philipp Artus, Clarisse Hahn, Francis Hunger, Simona Koch, Steffen Köhn, Paola Calvo, Emanuel Mathias, Kristin Meyer, Henrike Naumann, Hein-Godehart Petschulat, Sascha Pohle, Taiki Sakpisit, Marko Schiefelbein, Oli Sorenson, Dennis Stein-Schomburg, Florian Thalhofer und Pim Zwier.

 

Monitoring zoomt hin und her zwischen Makro- und Mikroebene, Privatem und Politischem, Dokumentarischem und Fiktion und präsentiert so ein lebendiges Spektrum aktueller Ansätze im Bereich der audiovisuellen Medien.

Die Ausstellung präsentiert 17 internationale Medieninstallationen.

 

Der Bezug zum Raum und inhaltliche Aktualität waren bei der Auswahl ausschlaggebend. Zu den Themenschwerpunkten in diesem Jahr gehören das Selbstverständnis und die Selbstrepräsentation von Künstlern und ihren Arbeitsbedingungen in der heutigen Medienwelt (Hein-Godehard Petschulat, Marko Schiefelbein), sowie die Position des Einzelnen angesichts der ökonomischen und politischen Bedingungen in einer sich rasend verändernden Welt. Abstraktionen wie die Finanzkrise werden am Beispiel Griechenlands durch persönliche Statements greifbar gemacht (Florian Thalhofer), der Körper als Mittel politischen Widerstands untersucht (Clarisse Hahn), oder in Anlehnung an die „Zwickauer Terrorzelle“ das Selbstbildnis einer Jugend in den Neuen Bundesländern anhand fiktiver Homevideos nachgestellt (Henrike Naumann). Die Künstler/innen bedienen sich in ihrer Darstellung globaler Realitäten – sei es das Portrait einer Nation in einem Stadium posttraumatischer Erstarrung (Taiki Sakpisit) oder die Willkürlichkeit von Menschen gezogener Grenzen (Steffen Köhn, Paola Calvo, Simona Koch) – verschiedenster Strategien, von kinematographischer Inszenierung über Dokumentation zu gezeichneter Animation. Weiterhin werden filmhistorische Referenzen auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene angewandt, etwa in Emanuel Mathias' Film über türkische Taxifahrerinnen, Francis Hungers filmanalytischer Untersuchung von Dziga Vertov oder Sascha Pohles Hommage an Chris Marker.

 

Eröffnung: 14. November 2012, 19 Uhr im Südflügel des KulturBahnhofs

Ausstellungsdauer: 15.18. November 2012

 

Ausstellungsorte:

Kasseler Kunstverein, Werner-Hilpert-Straße 23, 34117 Kassel, KulturBahnhof Kassel (Südflügel, Stellwerk), Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel, Galerie Coucou, Werner-Hilpert-Straße 8, 34117 Kassel, Nachrichtenmeisterei, Franz-Ulrich-Straße 14, 34117 Kassel

 

Weitere Informationen unter: www.kasselerdokfest.de

 

07.—22. SEPTEMBER 2012 »FURCHTBAR:SCHÖN«

KATRIN LEITNER

WALTER PETER

In der furchtbaren wie schönen Zerbrechlichkeit und Fragilität unseres menschlichen Daseins finden Katrin Leitner und Walter Peter den assoziativen wie spielerischen Ausgangspunkt für ihre zeichnerischen und malerischen Arbeiten. Die übergroßen Fragen menschlicher Existenz werden bei dem Künstlerpaar zu grellbunten Partituren der eigenen Lebensgeschichte oder zu einem malerischen Herbarium von Fliegenpilzen, das die märchenhafte und morbide Schönheit des leuchtend roten „Narrenschwamms“ aufdeckt.

 

Wie im kindlichen Spiel setzen die Künstler in ihren Arbeiten Farben, Formen und Medien immer wieder neu in Beziehung zueinander, sodass „ein intuitiver Zugang zu unserem Unterbewusstsein produktiv geöffnet wird, vergleichbar mit einem metaphorischen Rauschzustand“, sagt Katrin Leitner.

 

Über das freie Assoziieren wurde Kindheit für die beiden in Kassel lebenden Künstler dabei selbst zum Thema und zeigt sich in den ausgestellten Arbeiten als ständiges Abwägen, Ausloten, Ein- und Ausgrenzen, als ein Hin und Her von unbewussten und bewussten Zuständen.

 

Für den Erwachsenen bleibt die Kindheit ein Ort der Erinnerung, der sich wie ein geheimnisvoller Garten im Zentrum des eigenen Ich befindet. Ein Zurück ist unmöglich! Hier kann man lediglich dem unberechenbaren Rat der Raupe mit Wasserpfeife folgen, die, auf einem Pilz sitzend, Alice im Wunderland den Tipp gibt, von diesem zu essen: „Von der einen Seite wirst du kleiner und von der anderen größer.“ Furchtbar schöne Nebenwirkungen zwischen Hochgefühl und Halluzination…

 

Die Künstlerin Katrin Leitner studierte von 1996 bis 2001 freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel, sie war Meisterschülerin bei Professor Rolf Lobeck und bereits 2002 Preisträgerin der Dr. Wolfgang Zippel Stiftung. Mit ihren Ausstellungen und Projekten geht sie weit über Kassel hinaus in die Öffentlichkeit und hat bereits ein umfangreiches Werk aufzuweisen. Ihre Arbeiten kreisen um erzählerische Aktionen, künstlerische Performances und Videos zu Kinderspiel, Geschichten in Bildfolgen und berühren auch Forschungsansätze zu Hieronymus Bosch oder zu den surrealistischen Performances von Salvador Dali, Daniel Spoerri, Jason Rhoades und John Block.

 

Der in Kassel lebende und arbeitende Künstler Walter Peter wurde 1964 in Erlangen geboren. Von 1998-2003 studierte er freie Kunst an der Kunsthochschule in  Kassel. Seine Malerei, Filme und Installationen zeigte er bislang in zahlreichen Ausstellungen in Berlin, Kopenhagen, Basel und aber auch in China und Irland. Im Jahr 2009 wurden Arbeiten von der Dr. Wolfgang Zippel Stiftung für die Artothek der Stadt Kassel angekauft.

20. JULI—04. AUGUST 2012 »HINSCHAUEN WEGSEHEN«  PETER ANDERS

Erinnerung, Geschichte, gesellschaftspolitische Ereignisse und mentale Ausprägung sowie die Frage nach der Funktion von Bildern sind zentrale Themen der Arbeiten von Peter Anders. Der Künstler bearbeitet diese Themen mittels Malerei, Objekt, Zeichnung und Installation. Dinge des Alltags und alltägliche Ereignisse werden aus dem steten Fluss der Zeit isoliert und in neue Zusammenhänge gestellt. Zwiespältiges oder Aufgeladenes rückt dabei in seinen Fokus und lässt die Ahnung zu, dass uns die Lust am Entsetzen nicht Wegschauen lässt, das Hinsehen aber zugleich schmerzhaft wie lustvoll ist. Mit präzisem Blick für die Vielschichtigkeit des scheinbar Banalen und der Sensation isoliert Anders dabei einzelne Aufnahmen aus den täglichen Zeitungs- und TV-Bildern, um sie mit malerischen Mitteln auf die Bezüge zur äußeren und inneren Welt, auf ihre Verflechtungen innerhalb eines komplexen Rezeptionskontexts zu befragen. Was er in dieser Pointierung der medialen Vermittlungs-strategien betreibt, ist sowohl eine Remystifizierung des fotografischen Bildes wie auch eine bohrende Befragung des gesellschaftlichen Dokuments — es wird zugleich konserviert und enttarnt, entrückt und bloßgestellt.

 

Die Bilder und Installationen von Peter Anders sind irritierende Gebilde, die doch seltsam vertraut scheinen. In ihnen spannt sich der Bogen von den Objekten, der Nachricht und deren Belegfoto über die transportierten Emotionen und Projektionen, den Ausschnitt und das künstlerische Bild bis hin zur Illusion und Utopie; ein Versuch über die Unvereinbarkeiten der Welt, ihre Schrecken und ihre Schönheit, ihr Zusammenschrumpfen in der Globalisierung und ihr Wuchern in den verteidigten Privaträumen, über die Gleichzeitigkeit und die Unvereinbarkeit, über ihr Bild und ihr Abbild.

29. JUNI—14. JULI 2012

 »VEXIERBILDER #03«

martinafischer13

nathalie mohadjer

Nathalie Mohadjer hat über mehrere Monate hinweg im Obdachlosenheim in Weimar fotografiert  und dabei Bilder eingefangen, die den Anschein einer Vertrautheit mit den Bewohnern des Heims suggerieren. Die dabei entstandenen Bilder offenbaren erst auf den zweiten Blick, dass hier Menschen an einem Un-Ort abgelichtet wurden, Menschen, die mit dem „normalen“ Leben und dessen Ordnung abgeschlossen haben. Die Fotografierten entziehen sich immer wieder dem Auge der Kamera und des Betrachters, indem sie sich hinter Lampenschirmen, Zigarettenrauch, Kissen, Gardinen, Kassettenrecordern verbergen. Meist stille, fast scheue Gesten und ein paar derbe, demonstrative Posen der Obdachlosen sowie alltäglich-persönliche Gegenstände im Heim bestimmen Mohadjers Motivauswahl. „Das Heim ist ein ambivalenter Ort. Zum einen gibt er den Bewohnern Sicherheit – er ist ein schützender Mikrokosmos. Zum anderen ist er für viele die letzte Station, denn das Wohnheim stigmatisiert und zeigt keine weitere Perspektive auf. Die Bewohner sind sich ihrer Lage sehr bewusst – sie wissen, wo sie sind und auch, warum sie dort sind“, sagt die Künstlerin.

 

Die in Kassel lebende Künstlerin Martinafischer13 zeigt Automaten, Objekte und Projektionen mittels derer sie in den Räumen Stimmungen aufbaut, die Wahrnehmungen in bestimmte Richtungen lenken. Dazu gehören motorisierte Objekte, die an Rennwagen erinnern und losfahren möchten, jedoch von dem Kabel zurückgehalten werden, welches sie mit dem nötigen Strom für diese Bewegung versorgt. Die tragikomischen Versuche von dem loszukommen, was sie fixiert und am Leben erhält, finden eine mögliche Freiheit allenfalls im Stillstand. Weitere Objekte sind lackierte Automaten, die dem Besucher Vergebung verheißen, sowie die Dia-Projektion einer Katze, deren Transparenz und Flüchtigkeit immer auch ein Verweis auf ihre Abwesenheit ist.

 

Martinafischer13 lebt und arbeitet in Kassel und zeigte ihre Automaten und Objekte in Einzel- und Gruppenausstellungen in New York, Buenos Aires, Frankreich und Schottland. Im Jahr 2011 wurden ihre Arbeiten von der Dr. Wolfgang Zippel Stiftung für die Artothek der Stadt Kassel angekauft.

 

Die in Deutschland geborene Nathalie Mohadjer lebt und arbeitet heute in Paris. Nationale und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen, aber auch Publikationen in Zeitschriften für Fotografie waren Anlass für zahlreiche Preise und Auszeichnungen, wie den Abisag Tüllmann Preis im Jahr 2012 oder das Künstlerstipendium der VG-Bildkunst im Jahr 2010.

 

„Vexierbilder #3“ wird am 29. Juni, 19 Uhr in der Galerie Coucou in der Werner-Hilpert Straße 8 durch den Oberbürgermeister Bertram Hilgen eröffnet und ist noch bis zum 14. Juli 2012 zu sehen.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung, Kulturamt Kassel und KasselKultur2012.de

 

Ausstellungseröffnung

29. Juni, 2012, 19 Uhr

Grußwort  - Oberbürgermeister Bertram Hilgen

 

Dauer der Ausstellung

30. Juni 14. Juli 2012

05.—23. JUNI 2012

 »VEXIERBILDER #02«

OSWALDO MACIá

MARKUS STEIN

Die Ausstellungsreihe »Vexierbilder« (lat. plagen, schütteln, ärgern) nähert sich dem Phänomen des Perspektivwechsels an und greift in seiner Konzeption auf die Idee der Kippbilder zurück, die den Betrachter auffordern, aus verschiedenen Blickrichtungen das Versteckte in ihnen zu identifizieren. Die paradoxe wie spannungsvolle Eigenheit dieser Konstruktionen des »Entweder-Oder« liegt aber darin, dass sie im Kippeffekt zeitgleich auch das »Sowohl-als-Auch« zeigt. Die zwei geladenen Künstler - Oswaldo Maciá (London) und Markus Stein (Kassel) - stellen keine klassischen Vexierbilder aus. Vielmehr wird der kippende Wechsel der Wahrnehmung im Aufeinandertreffen der zunächst völlig klar voneinander abzeichnenden künstlerischen Positionen selbst provoziert.

 

Oswaldo Maciá untersucht Konventionen und Erwartungen unseres Weltverständnisses. Er geht davon aus, dass das, was wir wahrnehmen durch die Art, wie wir gelernt haben wahrzunehmen und durch unser Wissen vorgeprägt und strukturiert ist. Mit seinen Kompositionen, die aus Bildern, Objekten, Klang und Gerüchen gebildet werden, will er diese Strukturen aufbrechen: »Mit meinen Geruchs-Skulpturen, Klang-Skulpturen, Installationen und Videos schaffe ich auf vielfältige Weise Begegnungen, das in Frage stellen, was wir als unsere Realität annehmen.«

 

Was passiert, wenn Dinge ihrem gewohnten Kontext entrissen werden und auf sich selbst bezogen erscheinen? Was passiert, wenn uns ein Sprite einer pixeligen Computeranimation als dreidimensionaler Droid gegenübertritt? Der Kasseler Künstler Markus Stein schlägt mit seinen Arbeiten erstaun-liche Brücken zwischen realen und virtuellen Welten, indem er durch die ausschnitthafte Beobachtung unserer Welt diese zu einem Computerspiel werden lässt, abstrakte Pixelhaufen der Hintergrundszenerien eines Computerspiels in eine ebenso pixelige  »Landschaftsmalerei« überführt.

 

Markus Stein lebt und arbeitet in Kassel. Im Jahr 2008 machte er seinen künstlerischen Abschluss an der Kunsthochschule Kassel. Im Jahr 2009 erhielt er das Künstlerstipendium der Stadt Willingshausen.

 

Der in Kolumbien geborene Künstler Oswaldo Maciá lebt und arbeitet heute in London. Einem breiteren Publikum ist er bekannt geworden durch seine Teilnahme an international renommierten Ausstellungen wie der 51. Biennale in Venedig (2005), Museum of Contemporary Art in Sydney (2007) oder der aktuellen Manifesta 9 in Belgien.

 

Mit freundlicher Unterstützung von: Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung, Olfactive Design Studio - IFF, KasselKultur2012.de, Bauhaus

18. MAI—26. MAI 2012

 »NO NIGHT IN THE VICTIMS BOG. THE INVENTION OF THE INSTRUMENTALIZATION.«

FLAUT M. RAUCH

Die Frage nach dem, wer wir sind, ist eine Frage nach Erinnerung, Selbst und Erfahrung. Mittels der projektive Kraft der Wahrnehmung verfangen wir uns allerdings wieder und wieder in unseren eigenen Vorstellungsbildern und gestalten zerbrechliche Fiktion und Mythen vom eigenen Selbst. Lassen sich diese Grenzen der Erkenntnis mit der Molekularforschung überwinden?

 

Im Vertrauen auf neue Techniken und Methoden der Naturwissenschaft inszeniert Flaut M. Rauch mit Hilfe der Nanotechnologie den Blick in die Welt der ganz kleinen Dinge und geht auf die Suche nach dem eigenen Selbst. So wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Microsystemtechnik in Freiburg ein Waver entwickelt, mit der Flaut M. Rauch das Geheimnis der menschlichen Doppelhelix erforscht, aber auch seine eignen Erinnerungen an eine Zeit, in der er der Schulmedizin ausgesetzt war, untersucht. Auf dem Waver sind Worte „Vertraue und glaube, es hilft und heilt die göttliche Kraft“ in Nanogröße eingebrannt, die sich mit dem menschlichen Körper verbinden sollen. Lässt sich der Körper mit diesen Worten dienstbar machen, lässt er sich instrumentalisieren?

 

Die Ausstellungsinstallation besteht des Weiteren aus Glasskulpturen, Malereien, Fotos und Videos.

 

Ausstellungseröffnung

18. Mai 2012, 19 Uhr

 

Dauer der Ausstellung

19. Mai – 26. Mai 2012

 

Öffnungszeiten

Täglich, jeweils 16:30 - 19:30 Uhr und nach Vereinbarung

 

Kein Eintritt

 

27. APRIL—11. MAI 2012

 »VEXIERBILDER #01«

RANA MATLOUB

VEIT STRATMANN

Die Ausstellungsreihe “Vexierbilder” (lat. plagen, schütteln, ärgern) nähert sich dem Phänomen des Perspektivwechsels an und greift in seiner Konzeption auf die Idee der Kippbilder zurück, die den Betrachter auffordern, aus verschiedenen Blickrichtungen das Versteckte in ihnen zu identifizieren. Die paradoxe wie spannungsvolle Eigenheit dieser Konstruktionen des “Entweder-Oder” liegt aber darin, dass sie im Kippeffekt zeitgleich auch das “Sowohl-als-Auch” zeigt.

 

Die zwei geladenen KünstlerInnen – Rana Matloub (Kassel) und Veit Stratmann (Paris)  - stellen keine klassischen Vexierbilder aus. Vielmehr wird der kippende Wechsel der Wahrnehmung im Aufeinandertreffen der zunächst völlig klar voneinander abzeichnenden künstlerischen Positionen selbst provoziert. Rana Matloub schreibt kurze Geschichten, die sie auf ein Aufnahmegerät spricht. Diese gesprochenen Zeichnungen sind Miniaturen der Realität, verdichtete Beobachtungen und Impressionen des Alltags, Fragmente von Traum und Wirklichkeit, aber auch Wortspiele, bei denen der Hörer vor seinem inneren Auge unterschiedliche Bilder imaginiert und konstruiert. Der Akt der Verbildlichung macht für den Zuhörer die “Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Märchenhaftem, der Realität und den Träumen bedeutsam”, eröffnet die Künstlerin.

 

Die farbenfrohe Arbeit des französischen Künstlers Veit Stratmann “Der Pariser Boden / A Paris Floor / Un Sol Parisien” besteht aus 200 x 60 cm großen rechteckigen Flächen, die mit einem 3 cm hohen Aluminiumrand umgeben sind. Die kurzen und zugleich schmalen Rechtecke erlauben es dem Besucher nicht, durch die Ausstellung zu flanieren, sondern verlangen, dass er jeden Schritt über den Boden gezielt setzt. Bewusst oder auch zum Teil unbewusst stimmt der Besucher damit seine Bewegungen auf die Anforderungen des Raumes ab und schafft somit unvermeidlich Form. “Der Boden ist wie das Brett eines Spiels, dessen Regeln ständig neu erfunden werden”, veranschaulicht Stratmann und befragt damit, inwiefern die Möglichkeiten der Entscheidungen bildnerisches Material sein können, denn auf dem “Der Pariser Boden / A Paris Floor / Un Sol Parisien” ist der Besucher kein Passant mehr, er ist aber auch nicht Teil des Kunstwerks.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung

10.—25. FEBRUAR 2012

»YELLOW-BLACK AND SHINY«

GÜNTER STANGELMAYER

„Statik ist ein labiler Zustand“, verdeutlicht Günter Stangelmayer anlässlich der Jahreseröffnungsausstellung „Yellow-Black and Shiny“ in der Galerie Coucou.

 

Stangelmayer umspielt mit seinen Skulpturen und Objekten auf hintergründige Weise die Kategorien Statik und Dynamik und unterwandert nahezu selbstverständlich einen konventionellen Skulpturbegriff. Das scheinbar Statische seiner Holzobjekte und Stahlskulpturen löst sich bei näherer Betrachtung auf. Diese zeigen sich bei genauerer Betrachtung als ausgeklügeltes wie fragiles System von Gleichgewichten, denn Stangelmayer manipuliert industriell gefertigte Module und stapelt oder verklemmt diese zu Skulpturen. Der Künstler provoziert damit die Frage, ob es das Phänomen ‚Statik‘ in einer auf allen Ebenen dynamischen Welt überhaupt gibt. Zugleich thematisiert er die basalen wie kategorialen Fragen nach der Skulptur und dem Skulpturalem immer auch als Problemstellung der Dimension von Körper und Raum.

 

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