06.09. — 26.10.25

Galerie Coucou

displaced orders
Pascal Hointza & Nils Reuter


Mit dieser Doppelausstellung setzt die Galerie Coucou ihr Bestreben fort, junge zeitgenössische Positionen zu präsentieren. „Displaced Orders“ ist eine verwinkelte Reise zu unerwarteten Orten und Zeiten. Die emotional vielschichtigen Bilder von Pascal Hointza begegnen den charakterstarken und humorvollen Objekten von Nils Reuter.

Jeder Wechsel in der Kunst- und Kulturgeschichte beruht größtenteils auf der Infragestellung der zuvor herrschenden Ordnung. Dabei werden sowohl allgemeine gesellschaftliche Normen als auch formalästhetische Konstrukte hinterfragt. Pascal Hointza und Nils Reuter befinden sich also in guter Gesellschaft, wenn sie mit bestehenden Konventionen und Sehgewohnheiten brechen, um ihre eigenen Themen sowie Bild- und Formsprache zu definieren. Es ist dabei nicht nötig, die tektonischen Platten der Gesellschaft zu verschieben – manchmal reicht eine kleine Änderung des Blickwinkels, um das gewohnte Spiegelbild verschwinden zu lassen und an dessen Stelle eine neue Umgebung zu schaffen – mal verheißungsvoll, mal beunruhigend.

Die Bilder von Pascal Hointza strahlen eine außergewöhnliche Faszination für Farbe und Form aus. Gleichzeitig ist nichts an ihnen selbstverständlich – sie wirken wie Filmsequenzen, Erzählungen, Träume oder manchmal auch wie vage Erinnerungen. Seine Malerei ist geradezu sensorisch – wir können die seltsamen Orte in seinen Bildern fast hören, riechen, spüren. Nur verstehen können wir sie nicht: Was da geschieht, entzieht sich der gewöhnlichen Ordnung. Es wirkt seltsam, surreal – und hinterlässt ein intensives und wunderbar uneindeutiges Gefühl. Wie zufällige Zaungäste schauen wir durch diese Fenster zu Orten und Zeiten, die sich nicht erzählen lassen.

Die Formationen, die Nils Reuter erschafft, vereinen Installation, Malerei und Plastik zu einem intuitiven Gefüge mit installativem Charakter. Seine Skulpturen stehen gerne in Gesellschaft und werden von ihrem Schöpfer zu narrativen Situationen verdichtet – urbane Alltagsgegenstände auf Abwegen. Die im Format kleineren, in ihrer Ausstrahlung jedoch großen Charaktere sind humorvolle Geschichtenerzähler.

Mit ihrem Schaffen setzt Nils Reuter die gegenwärtige Ordnung für uns neu zusammen und übergeht dabei schmunzelnd künstlerische Konventionen. Was für eine wunderbare Poesie des Alltäglichen. Mit „Displaced Orders“ präsentieren die Absolventen und Meisterschüler der Kunsthochschule Kassel, Pascal Hointza, dessen Werk 2025 für die Arthothek Kassel ausgewählt wurde, und Nils Reuter, der 2024 mit dem Kasseler Kunstpreis ausgezeichnet wurde, eine faszinierende Symbiose aus zeitlichen und räumlichen Experimenten. Sie nehmen uns mit auf eine Reise, deren Ausgang nicht vorbestimmt ist. Die spielerische Leichtigkeit, mit der sie den Status Quo in einen Status Novus verwandeln, ist ansteckend, humorvoll und beunruhigend zugleich. Diese Reise ist eine emotionale Einladung, durch den Spiegel zu treten und sich auf die Neuanordnungen von Pascal Hointza und Nils Reuter einzulassen.

06.09. — 26.10.25

Kunsttempel

THE CRACK IN THE SKIN OF THE UNIVERSE
Paul Diestel & Sławomir Elsner

In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung verbinden Paul Diestel und Sławomir Elsner grundlegende menschliche Fragestellungen mit zentralen ästhetischen Themen der Kunst. Elsners präzise, rätselhafte Aquarelle und Zeichnungen treffen auf Diestels zeitlose, skulpturale Erzählungen – eine poetische Annäherung an die Risse im Gewebe der Wirklichkeit.

Die Haut unserer Realität ist bei Weitem nicht so glatt wie oft angenommen. Wir übersehen ihre Unebenheiten vor allem deshalb, weil wir dazu neigen, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen – sie könnten uns sonst überfordern oder ermüden. Doch was, wenn wir genauer hinschauen – und dieser Akt nicht nur mit intellektueller Anstrengung, sondern auch mit ästhetischem Genuss verbunden ist? Die Ausstellung „The Crack in the Skin of the Universe“ mit Paul Diestel und Sławomir Elsner ist ein ästhetisch-philosophischer Dialog in der Sprache der Kunst. Sie eröffnet uns die Möglichkeit, genussvoll nachzudenken. Was passiert, wenn die vermeintlich glatte Oberfläche der Wirklichkeit einen Riss bekommt? Und was dringt durch diese Bruchstelle im Gewebe der Erfahrung zu uns?

Paul Diestels Werke entstehen durch intensive Verdichtungsprozesse und entziehen sich klaren zeitlichen oder räumlichen Zuordnungen. Ausgehend von natürlichen Fragmenten, die er auf ihre wesentliche Erscheinung reduziert und vergrößert, setzt er sich mit der Narration der Natur auseinander. Seine Werke entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel von Raum, Kontext und Perspektive – eine Dynamik, die ihre Bedeutung stets neu formt.

Mit seinen virtuosen Aquarellen und Farbstiftzeichnungen erschafft Sławomir Elsner visuelle Erzählungen, die aus vielfältigen Quellen und Anregungen schöpfen. Auf nahezu magische Weise löst er dabei die Realität in Licht und Farbe auf und manifestiert eine reine, unmittelbare Form der Malerei. Dabei verliert sich der Bezug zu Thema und Motiv nicht – im Gegenteil. Seine Werke verdichten sich zu einer bildnerischen Essenz, die das Wesentliche sichtbar macht.

In den Arbeiten von Paul Diestel und Sławomir Elsner zeigt sich, wie wandelbar jene Konstanten sind, die unsere Wirklichkeit bestimmen. Ihre Werke hinterfragen das Vertraute und machen Verborgenes sichtbar. Themen wie Erkenntnis, Liebe, Gedächtnis, Macht und Endlichkeit erscheinen in neuen Formen und Schattierungen.„The Crack in the Skin of the Universe“ ist eine Einladung, gemeinsam über die Macht der Wirklichkeit nachzudenken – nicht nur aus der Distanz nüchterner Analyse, sondern auch im vollen Genuss von Linien, Farben und Formen. Der unaufdringliche und zugleich intensive Dialog, der in der Begegnung dieser beiden Künstler entsteht, eröffnet die Möglichkeit einer anderen Art des Sehens und Verstehens, bei der sich ästhetische Lust und philosophische Tiefe nicht ausschließen, sondern wechselseitig befruchten. In einer Welt, die sich zunehmend auf schnelle Antworten und klare Konturen verlässt, ist das ein besonderes Geschenk.    

30.06. – 01.08.2025

Kunsttempel
Artists-in-Residence

COMPETING PRIORITIES
Rodrigo Jardón Galeana (Mexico City) & Holger Jenss (Kassel)

Im Jahr 2025 wird das Residenzprogramm mit Ausstellung, das der Kunsttempel im vergangenen Jahr erstmals realisiert hat, mit dem Künstler-Tandem Rodrigo Jardón Galeana aus Mexiko-Stadt und Holger Jenss aus Kassel fortgesetzt. Kuratiert wird das Projekt von Carola Ruf.

Die beiden Fotografen und Künstler lernten sich 2023 in Mexiko-Stadt bei den Vorbereitungen für eine Gruppenausstellung des deutschen Fotografieprojekts gute aussichten und der mexikanischen Institution Centro de la Imagen kennen. Dabei begann ein Austausch über ihre gemeinsame Erfahrung, vor Kurzem Vater geworden zu sein.

Daraus entwickelte sich eine Korrespondenz aus essayistischen Videos und einer Serie von Fotografien, die den transformativen Prozess des Elternwerdens reflektieren. Sie thematisieren Gefühle von Ängstlichkeit und Zweifel ebenso wie die Suche nach eigenen Wegen angesichts bestehender, oft überholter Vorstellungen von Vaterschaft und Geschlechterzuschreibungen. Dabei drängt sich zwangsläufig auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte männlichen Verhaltens in ihren eigenen Familien und Gesellschaften auf.

Competing Priorities wirft einen aktuellen Blick auf zeitgenössische und historische Bilder von Vaterschaft und untersucht zugleich persönliche Geschichten sowie Formen künstlerischer Zusammenarbeit. Der Titel, der sich einer Sprache der Arbeitswelt bedient, verweist auf ein Spannungsfeld, in dem die Anforderungen von Elternschaft und Care-Arbeit ebenso wie jene von künstlerischer und bezahlter Arbeit gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen – ohne je vollständig miteinander vereinbar zu sein.

18.05. – 20.06.25

Kunsttempel

TIDE OF MATTER
Leunora Salihu / Flora Hitzing

Der Kunsttempel in Kassel lädt zur Ausstellung "Tide of Matter" mit Arbeiten von Leunora Salihu und Flora Hitzing ein. In einer kraftvollen Verschränkung skulpturaler und malerischer Werke entfaltet sich ein Dialog über die Bewegtheit der Materie, ihre Rhythmen, ihre Erinnerungen und ihre eigengesetzlichen Ordnungen.

Die architektonische Struktur des Kunsttempels – dreifach gegliedert und durch eine gewundene Treppe vertikal verbunden – wird zur Bühne für ein raumübergreifendes Zusammenspiel: Die Werke breiten sich rhizomartig in alle Richtungen aus, sie durchdringen Ebenen, spannen Zwischenräume auf, verdichten sich, zerfließen, organisieren sich neu. Es ist ein Spiel zwischen Struktur und Auflösung, das sowohl den inneren Gesetzmäßigkeiten des Materials folgt als auch dessen poetisches Formpotential offenlegt.

Im Zentrum der Ausstellung steht der Begriff der Materie. Diese wird allerdings nicht als statisches Substrat, sondern als lebendige Bewegung gedacht und mit den Mitteln der Kunst als ein Kraftfeld gezeigt, das formt, prägt und verwandelt.

Präzise und poetisch greifen Salihu und Hitzing diesem Moment der inneren Dynamik in ihren Werken auf: Ihre skulpturalen und bildhaften Formen scheinen sich aus sich selbst heraus zu strukturieren. In Schichtung, Rhythmus und Wiederholung verhandeln sie sowohl das Eigenleben des Materials als auch kulturelle und natürliche Ordnungssysteme. Zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen sinnlicher Präsenz und konzeptueller Reflexion entfaltet sich stille, kraftvolle Poesie, die berührt.

22.03. – 04.05.25

Galerie Coucou & Kunsttempel

Die sanfte Wildheit der Zeit
Anna Holzhauer / Helga Marten / Andrea Müller-Osten

Anna Holzhauer, Helga Marten und Andrea Müller-Osten sind Künstlerinnen aus drei unterschiedlichen Generationen. Mittels Malerei und Skulptur bilden sie einen inhaltlichen Rahmen, um die Rolle von Ort und Zeit zu untersuchen. Dabei geben sie Einblicke in ihre inneren Landschaften, wobei Kassel ein wichtiger Bezugspunkt der miteinander verknüpften Perspektiven bleibt.  

Wenn das Leben eine Buchverfilmung wäre, würde die Darstellung der Verflechtungen von Orten und Zeiten enorm wichtig sein. Natürlich prägt uns auch die Beziehung zu anderen Menschen stark. Dabei können wir jedoch selbst entscheiden, ob und wann wir einen Kontakt zulassen. Was allerdings nicht in unserer Kontrolle liegt, ist die Tatsache, dass wir uns immer im Irgendwo und Irgendwann befinden. Unser Leben lang – und auf gewisse Weise sogar darüber hinaus – sind wir mit unserer Umgebung und dem Moment, in dem wir uns befinden, verbunden. Diese Beziehung ist daher fast genauso intensiv wie die zu unserem eigenen Selbst. Es ist also nicht verwunderlich, dass „Landschaft“ in der Kunstgeschichte zu den großen Themen der Kunst gehört, ebenso wie Orte und Zeiten einen wesentlichen Teil der Dramaturgie unseres Lebens bestimmen.

Landschaft ist allerdings, wie auch diese Ausstellung zeigt, nicht immer gleich Landschaft. So sehen auch keine zwei Menschen exakt denselben Horizont. Um die Welt um uns herum tatsächlich wahrzunehmen, verbinden wir uns zwangsläufig mit unserer Umgebung, mit dieser „Landschaft“ und lassen sie ein Teil von uns werden. Doch nicht nur weite Horizonte und ferne Täler prägen das Bild einer Landschaft. Auch die inneren Landschaften – jene, die sich in der Stille eines Raumes entfalten oder im Blick aus dem Fenster, der die Außenwelt in einen Rahmen fasst – können Teile einer Reise sein. So ist die Ausstellung auch eine Wanderung durch die Gedanken, ein Staunen über die kleinen und großen Welten, die sich in uns verbergen, und eine sanfte sowie wilde Reise durch Raum und Zeit.

„Die sanfte Wildheit der Zeit“ lädt alle ein, Anna Holzhauer, Helga Marten und Andrea Müller-Osten auf ihren Wegen durch Irgendwo und Irgendwann zu folgen.  

13.12.24 – 16.02.25

Galerie Coucou & Kunsttempel

LOVE MANIFEST

Mit Werken von:
Marina Abramović / Stephan Balkenhol / Silke Berg / Fern Liberty Kallenbach Campbell / Paul Diestel / Sławomir Elsner / Michael Göbel / Douglas Gordon / Andrea Grützner / Urs Lüthi / Lukas Meir / Milen Miltchev / Charlotte Eta Mumm / Iwan Schumacher / Gustav Sonntag / Robert Sturmhoevel

Vielleicht ist Liebe das Normalste der Welt – kaum jemand wird behaupten nicht zu wissen was Liebe ist. Darüber zu sprechen fällt uns dabei manchmal schwer. Liebe scheint auch immer zu viel oder zu wenig zu sein, selten ist sie einfach oder genug. Als menschliches Grundbedürfnis beeinflusst sie unsere Entscheidungen, sie ist in den schönsten wie auch in den schrecklichsten Momenten unseres Lebens zu finden. Liebe hat viele Gesichter und in der Geschichte der Menschheit viele Namen gehabt – Eros, Ludus, Mania, Amo, Pragma, Philia, Storge, Agape … (um nur einige zu nennen). Das liegt zum großen Teil daran, dass Liebe so facettenreich ist, dass sie sich in vielen unterschiedlichen Formen zeigt.
Die aktuelle Ausstellung ist eine Einladung, Liebe in ihrer Vielfalt zu erfahren. Die Generation- Medium- und Länder übergreifenden Beiträge sind Liebesbriefe, die mit den Mitteln der Kunst verfasst sind. Unabhängig davon ob Liebe begeistert oder verunsichert, ob sie gedacht oder gefühlt wird, bietet die Ausstellung die Möglichkeit viele ihrer Manifestationen zu erleben.

19. 04.– 25.05.2024

Galerie Coucou & Kunsttempel

Le langage de l‘art
Stephan Balkenhol

Der international renommierte Bildhauer Stephan Balkenhol zeigt zeitgleich in den Räumen des Kasseler Kunsttempels und der Galerie Coucou ein breites Spektrum an Arbeiten von bemalten Holzskulpturen, Bozzetti, Zeichnungen und Holzschnitten.

Stephan Balkenhol ist gebürtiger Nordhesse. Geboren in Fritzlar, absolvierte er sein Abitur in Kassel bevor er zum Studium an die Hochschule für bildende Künste nach Hamburg ging. Hier studierte er u.a. bei Ulrich Rückriem und nahm nach dem Abschluss Lehraufträge an verschiedenen Kunsthochschulen an. Von 1992 bis 2023 lehrte er als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Neben einem Atelier im französischen Meisenthal hat Stephan Balkenhol seit 2012 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Kassel verlagert.

Stephan Balkenhol begreift seine schneidende, sägende und schnitzende Auseinandersetzung in Holz als Erkundung der Welt in all ihren Erscheinungsformen. Grob gehauene, farbig gefasste Holzfiguren, die die Arbeitsspuren deutlich erkennen lassen, sind Repräsentanten dieser Weltaneignung. „Ich kreise um die menschliche Figur und die Grundfragen der menschlichen Existenz“, erläutert der Künstler sein nunmehr 40-jähriges Schaffen. Dass dazu auch die Kunstgeschichte als “Menschheitsgeschichte“ zählt, wird besonders an den gezeigten Zeichnungen und Bozzetti deutlich. Der Künstler erläutert, dass er sich für die Ausstellung in der Galerie Coucou und dem Kasseler Kunsttempel bei Museumsbesuchen in verschiedenen Ländern inspirieren ließ. „Für mich ist Kunst eine universelle Sprache und die Migration der Form ist seit Menschengedenken Zeichen des gedanklichen Austausches, der die Augen und die Welt öffnet. Selbst wenn sie an bestimmte kulturelle Übereinkünfte gebunden ist, erschließt sich gerade dadurch das Potential auch in anderen Kulturkreisen etwas existenziell Gemeinsames zu finden.“

Überzeugend präsentiert Balkenhol in den gezeigten Skulpturen und Grafiken, wie in der Kunst das Eigene und das Fremde miteinander verschmelzen können.

Stephan Balkenhols Werke sind seit den 1980er Jahren in zahlreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen präsent und finden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen. Seit 2012 steht im Turm der Kirche St. Elisabeth „Der Mann im Turm“, seit der Ausstellung „Home Run“ (2016) wird der Künstler durch die Galerie Coucou vertreten. Im Jahr 2019 zeigte er die Ausstellung „Deadline“ im Museum für Sepulkralkultur.

19. 04.– 25.05.2024

Galerie Coucou & Kunsttempel

FUTUR ZWEI


Silke Berg / Ina Bierstedt / Jonathan Bragdon / Paul Diestel / Slawomir Elsner / Rana Matloub / Wolfram Der Spyra / Gisela Weimann

Die Ausstellung „Futur zwei“ ist eine Kooperation des Kunsttempels und der Galerie Coucou. Gezeigt werden Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Umfeld beider Einrichtungen. Die Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und Klanginstallationen werden zeitgleich an beiden Orten präsentiert.

Zur Ausstellung
Als Menschen sind wir darauf angewiesen, aus der Vergangenheit zu lernen und in der Gegenwart die Weichen für eine wünschenswerte Zukunft zu stellen. Allerdings kann dieselbe Zukunft für unterschiedliche Menschen sehr verschieden sein, denn es braucht manchmal sehr wenig, um die Perspektive auf die Zukunft zu ändern. So wird Veränderung zu einer ständigen Konstanten. Mit jedem Schritt, den wir machen, bewegen wir uns vorwärts durch die Zeit und denken uns und das, was wir tun, ständig neu. Permanent transformieren wir die ersehnte Zukunft in eine wirkungsvolle Gegenwart, die kaum erlebt schon zur Vergangenheit wird. Ohne die Zeit fassen zu können, gleiten wir auf ihrer Oberfläche dahin, greifen voraus und bauen mit der Kraft unserer Absicht einer Wirklichkeit auf, eine scheinbar bereits geschehene Zukunft, eine "Futura Zwei".

15.12.23 – 02.02.24

LOVE MANIFEST


Stephan Balkenhol / Paul Diestel / Sławomir ElsnerMichael Göbel / Andrea Grützner / Urs Lüthi / Milen Miltchev / Nathalie Mohadjer / Charlotte Eta Mumm / Andrea Müller-Osten / Polina Sokolova / Gustav Sonntag / Robert Sturmhoevel / René Wagner

Vielleicht ist Liebe das Normalste der Welt – kaum jemand wird behaupten nicht zu wissen was Liebe ist. Darüber zu sprechen fällt uns dabei manchmal schwer. Liebe scheint auch immer zu viel oder zu wenig zu sein, selten ist sie einfach oder genug. Als menschliches Grundbedürfnis beeinflusst sie unsere Entscheidungen, sie ist in den schönsten wie auch in den schrecklichsten Momenten unseres Lebens zu finden. Liebe hat viele Gesichter und in der Geschichte der Menschheit viele Namen gehabt – Eros, Ludus, Mania, Amo, Pragma, Philia, Storge, Agape … (um nur einige zu nennen). Das liegt zum großen Teil daran, dass Liebe so facettenreich ist, dass sie sich in vielen unterschiedlichen Formen zeigt.

Die aktuelle Ausstellung ist eine Einladung, Liebe in ihrer Vielfalt zu erfahren. Die Generation- Medium- und Länder übergreifenden Beiträge sind Liebesbriefe, die mit den Mitteln der Kunst verfasst sind. Unabhängig davon ob Liebe begeistert oder verunsichert, ob sie gedacht oder gefühlt wird, bietet die Ausstellung die Möglichkeit viele ihrer Manifestationen zu erleben.

28.08. – 15.09.2023

UNREAL ESTATE
Andrea Grützner

Die Grenzen unseres Verstandes zeichnen nur grob den Raum, in dem unser Herz wohnt. Als rational-emotionale Wesen wollen wir aber diesen Raum mit seinen unscharfen Grenzen, seinen Untiefen und Abseiten verstehen – und bestenfalls beeinflussen können. Zugleich prägen die realen und imaginären Räume des Lebens unser Denken, Fühlen und Handeln. Die unzähligen Fragmente dieses sprichwörtlichen Lebensraums bauen wir anhand von Erfahrungen, vor allem aber im Ringen mit unseren Wunschvorstellungen fortlaufend neu zusammen. Sich darin zu orientieren, zeitlich wie räumlich, ist eine Herausforderung. Es kann dabei hilfreich sein, sich auf ein künstlerisches Experiment einzulassen.

In „Unreal Estate“ führt uns Andrea Grützner durch eine sehr persönliche Reise. Es ist ein Überlagern, Durchdringen und Ineinanderspiegeln von Bildern der Vergangenheit und Projektionen der Zukunft. So geht die in Pirna geborene Fotografin zunächst von realen Lebensräumen aus und verwandelt diese mit einer Palette an experimentellen fotografischen Methoden in gänzlich andere Bildräume: Sei es die Transformation eines historischen Dorfgasthofs in farbig abstrakte Bildkompositionen oder das freie Spiel mit einem Baukasten aus DDR-Zeiten.

In der Galerie Coucou zeigt Andrea Grützner Arbeiten zweier fotografischer Serien:Mit „Erbgericht“ führt sie den Betrachter durch ein ehemaliges Dorfgericht, das seit über 120 Jahren ein Gasthof ist. Von der Gerichtsbarkeit der Gemeinde, zum sozialen Mittelpunkt des Ortes, ist dieser Gasthof heute noch ein Ort der Teilhabe, des Austausches und der Erinnerung. Mit Arbeiten der Serie „Architekton“ greift die Künstlerin die Vorstellungen des DDR-Staates zur Teilhabe an der Architektur ab den 50er Jahren auf. Basierend auf dem Spielbaukasten „Der kleine Großblock Baumeister“ konstruiert sie fotografisch utopische Architekturmodelle. Diese werden zur Projektionsfläche eines neuen Miteinanders. Die Künstlerin verwandelt durch ihre Werke die Ausstellung selbst in einen Ort der Begegnung und der Teilhabe. Sie öffnet Fenster zu vielen visuellen Wirklichkeiten und gibt uns die Möglichkeit neue Räume zu betreten.

„All that we already know is the raw material from which we draw hitherto unacknowledged possibilities. And once the new uses of this experience are found, a still broader range will be opened to us, which will enable us to advance to still unimagined discoveries.“ Constant Nieuwenhuys

Andrea Grützner erlangte 2014 ihren Master of Arts in Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld. Ihre Bilder wurden auf Festivals sowie in Einzel- und Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, wie zum Beispiel den Stiftungspreis Fotokunst 2020, Sammlung Klein, Peter S. Reed Grant 2020, ING UNSEEN Talent Award 2017, FOAM Talent 2016, Koblenzer Stadtfotograf 2015, Lead Awards 2015, gute aussichten 2014/2015.

Ihre Werke sind unter anderem in den Sammlungen der Berlinischen Galerie, DZ-Bank, ING Bank, des FOAMs und des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern zu finden. Andrea Grützner ist in der fotografischen Lehre an verschiedenen Hochschulen tätig, aktuell an der HGB Leipzig. Andrea Grützner lebt und arbeitet in Berlin und in der Nähe von Dresden.

17.07.— 04.08.23

THE LAGRANGE EFFECT
Lukas Meir & Nathalie Mohadjer

‍Mit jedem Schritt, den wir machen, versuchen wir eine Grenze zu überschreiten. Der kleinste mögliche Privatraum, ist die Masse unseres Körpers. Wenn wir uns bewegen, verschieben wir diesen Raum unentwegt und interagieren dadurch mit dem Raum anderer. Wir alle gestalten somit nicht nur unseren eigenen persönlichen Wirkungskreis, sondern auch den Raum des Dazwischen und damit den Gesamtraum, in dem wir uns alle bewegen und begegnen. Es ergibt sich daraus eine sehr dynamische und komplexe Konstellation. Durch Anziehung, Abstoßung und Reibung unserer Körper wird reichlich Energie freigesetzt. Diese zu verstehen und sinnvoll zu kanalisieren, fällt oft schwer. Manchmal verschmelzen zwei oder mehr Körper und bilden einen neuen Raum. Es kommt aber auch vor, dass andere Körper verdrängt werden oder miteinander kollidieren.

Natürlich sind Räume nicht nur rein körperlich zu denken. Es gibt auch noch andere Dinge, die uns verbinden oder verletzen können. So stellen sich schon von Geburt an die Fragen: Wo höre ich auf und wo fangen die anderen an? Unsere Existenz hängt davon ab, immer wieder aufs Neue das Gleichgewicht im Gravitationsspiel des Lebens zu finden – einen Lagrange Punkt zu erreichen.

Es bedarf auch in der Kunst viel Feingefühl, den richtigen Abstand zum Objekt zu finden. Ein Thema, aus der Ummantelung der gewöhnlichen Annahme zu befreien, ist ein Balanceakt. Der künstlerische Blick von außen kann dabei tief ins Innere eindringen und helfen, die Zusammenhänge in ihrer Komplexität zu betrachten. Nathalie Mohadjer und Lukas Meir erschaffen mit „The Lagrange Effect“ eine vielfältige und persönliche Erzählung. Sie entdecken neue Bezugspunkte, nehmen uns auf unerwartete Umlaufbahnen mit und entfalten vor uns spannende Perspektiven.

Für ihre neue Fotoserie „Fatma“ reist Nathalie Mohadjer nach Ägypten in die Oase Siwa, die eine der traditionellsten Gesellschaften des gesamten Nahen Ostens beherbergt. Eine Oase, per Definition ein begrenzter Raum, hat auch kulturell eine Sonderstellung. In der abendländischen Imagination fungiert sie oft als ein paradiesischer und wohltuender Ort. Diese von einer hektischen Gesellschaft herbeigesehnte Abstinenz kann in der Realität jedoch schnell eine multiple Isolation bedeuten. Nathalie Mohadjer untersucht diese Ambivalenz ohne Wertung oder Urteil. Mit viel Einfühlungsvermögen überlässt sie ihren Protagonisten die Szene. Sie macht sie sichtbar, auch wenn das Gesicht oft unter einem Schleier verborgen bleibt. Nathalie Mohadjer begleitet die Menschen in Siwa nicht nur als Fotografin, sondern auch als Freundin und Familienmitglied. Das Band, das sie mit ihnen knüpft, ist in ihren Bildern spürbar. Mit Vertrauen und Respekt macht sie die Geschichten der Menschen an diesem lichtdurchfluteten Ort künstlerisch greifbar. Es entsteht ein poetisches Destillat, das eine Schönheit ausstrahlt, die den Betrachter zutiefst berührt.

Lukas Meir pflegt die Liebe zum Detail. Er schaut genau hin, sucht und findet die Stellen im Weltbild, wo Realitäten sich überlagern, abreiben, kollidieren. Er durchdringt die Oberflächen parallel existierender Wirklichkeiten und erschafft mittels der Malerei eine neue Geometrie des Geschehens. Aus Körper und Raum werden Raumkörper, die sich in Teilen wie im Ganzen, ästhetisch wie inhaltlich beeinflussen, umkreisen und durchdringen, bilden neue Konstellationen und lassen eine Narration entstehen, die in ihrem Erzählschluss offenbleibt. Die Schauplätze dieser Ereignisse flimmern zwischen profanem Alltag und Elementen eines kulturellen oder sakralen Gedächtnisses. Dabei sind auch die vermeintlich stillen Momente erfüllt mit Spannung und Verletzlichkeit – in seinen neuen Bildern lässt Lukas Meir die Grenze des Körpers von der Sonne schmerzhaft zeichnen. Für die Szenerien voller Sehnsucht, Angst und Hoffnung wendet er gekonnt die Techniken von „alter“ und „neuer“ Malerei an – ein weiterer Grund für die Anziehungskraft seiner Werke.

21.10.— 11.11.2022

RIDING A HORSE BACKWARDS
Max Coulon

„Ich mache Skulpturen, als würde ich eine Sprache sprechen, die ich nicht beherrsche“, beschreibt der junge französisch-deutsche Künstler Max Coulon seine Arbeitsweise. „Ich gehe Umwege, um ein Wort heraufzubeschwören, das ich nicht kenne – ich sage ‚Himmel im Raum‘, weil ich nicht weiß, wie man ‚Decke‘ sagt, um einen Satz auszusprechen, den ich an der passenden Stelle gedacht habe, oder um zu versuchen, einen bestimmten Ausdruck zu übersetzen und ihn in der Sprache widerhallen zu lassen, in der er nichts mehr bedeutet.

“ Widerständig, eigen und unbeeindruckt von aktuellen Moden und Trends der Kunstwelt erscheinen die Arbeiten Max Coulons, der im Jahr 2021 an der École Nationale des Beaux-Arts in Paris graduiert wurde und sein Studium in der Klasse von James Rielly begann und schließlich bei Anne Rochette abschloss.  

Mit seiner Ausstellung „riding a horse backwards“ in der Galerie Coucou umspielt Coulon eine Erzählung aus dem asiatischen Raum, in der der menschliche Wunsch nach Weiterentwicklung und Fortschritt als rückwärtig belächelt wird: „Du denkst, dass du vorwärts gehst, aber in Wirklichkeit gehst du rückwärts.“ Berührend ist für Max Coulon die Metapher des chinesischen Taoisten, der feststellte, „dass vorwärts eben rückwärts ist; (und) darum (...) rückwärts auf seinem Esel“ saß.

Ist der Reiter verrückt? Nein, er ist nur aus der Reihe getreten und wagt es, die Welt umgekehrt anzuschauen. Gewohntes, Erwartetes und Gebotenes wird plötzlich unwichtig, hinderlich und gegenstandslos. Für den rückwärtigen Reiter ist es ein vertrauensvolles ‚Durch-die-Welt-getragen-werden‘. Er kann das, was vor ihm ist, nicht sehen, nicht erkennen, nicht vorab werten, strukturieren und ordnen. Erst im Moment des Hindurchreitens, kann er das, was um ihn ist, erfahren und fühlen. Dies ist eine vertrauensvolle Begegnung mit der Welt und zugleich Widerstand gegen das in ihr so unverbrüchlich Gefügte und Geordnete. Der Ritt verkehrt herum auf dem Esel beschreibt metaphorisch Max Coulons künstlerische Arbeitsweise: „So mach ich das immer im Atelier, um Skulpturen zu schaffen, die gegenteilige Emotionen zusammenbringen können“, denn seine Kunst entsteht aus der spielerischen Erkundung des Möglichen, aus dem zugehen auf die Dinge ohne Absicht. Dieses freie Spiel ohne vorgelegte Regeln und Zwecken ist es, was Max Coulons Arbeiten zugleich tragisch und lustig, schwer und leicht macht. Seine Skulpturen und Plastiken sind ebenso erschreckend wie zuckersüß, sie sind eine „Kollision von Objekten, Proportionen, Gefühlen und Referenzen.“

Max Coulon wurde mit dem Kunstpreis der Prix des amis des Beaux Arts de Paris ausgezeichnet.

07.09 — 07.10.22

LOVE MANIFEST

Stephan Balkenhol | Paul Diestel | Sławomir Elsner | Michael Göbel | Nina Jansen | Julia Kujat | Urs Lüthi | Rana Matloub | Milen Miltchev | Nathalie Mohadjer | Ivan Moudov | Charlotte Mumm | Andrea Müller-Osten | Ann Schomburg | Robert Sturmhoevel | René Wagner | Rosa Violetta Zettl

Vielleicht ist Liebe das Normalste der Welt – kaum jemand wird behaupten nicht zu wissen was Liebe ist. Darüber zu sprechen fällt uns dabei manchmal schwer. Liebe scheint auch immer zu viel oder zu wenig zu sein, selten ist sie einfach oder genug. Als menschliches Grundbedürfnis beeinflusst sie unsere Entscheidungen, sie ist in den schönsten wie auch in den schrecklichsten Momenten unseres Lebens zu finden. Liebe hat viele Gesichter und in der Geschichte der Menschheit viele Namen gehabt – Eros, Ludus, Mania, Amo, Pragma, Philia, Storge, Agape … (um nur einige zu nennen). Das liegt zum großen Teil daran, dass Liebe so facettenreich ist, dass sie sich in vielen unterschiedlichen Formen zeigt.

Die aktuelle Ausstellung ist eine Einladung, Liebe in ihrer Vielfalt zu erfahren. Die Generation- Medium- und Länder übergreifenden Beiträge sind Liebesbriefe, die mit den Mitteln der Kunst verfasst sind. Unabhängig davon ob Liebe begeistert oder verunsichert, ob sie gedacht oder gefühlt wird, bietet die Ausstellung die Möglichkeit viele ihrer Manifestationen zu erleben.